Geschäftschancen für KMU in Südostasien: BIMP-EAGA stellt sich als Zielmarkt für europäische Unternehmen vor*

Dr.-Ing. Andreas Klippe, Dr.Klippe Consult, Usingen**

Selbst Südostasienkennern ist der Begriff BIMP-EAGA nicht unbedingt geläufig. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Region „Brunei Darussalam, Indonesia, Malaysia, Philippines-East ASEAN Growth Area“. Unterstützt von der Europäischen Kommission fand in der Zeit vom 16. bis 19.11.2009 ein Kongress in Miri, Malaysia auf der Insel Borneo statt. Das Ziel war eine Stärkung der Region durch verbesserte Wirtschaftsbeziehungen zu europäischen Unternehmen.

1. Der internationale Kongress in Miri

Am Kongress im November 2009 nahmen 270 Delegierte aus 20 Ländern teil: das gastgebende Malaysia, Belgien, Brunei, Tschechien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Indonesien, Japan, Niederlande, Philippinen, Polen, Portugal, Sri Lanka, Thailand, Ungarn, Vietnam. Aus Südostasien kamen 144 Teilnehmer, aus Europa 126. Die Konferenz war aufgeteilt in einen Tag Schulung (Kooperation, interkulturelles Training), einen Tag allgemeiner Präsentation sowie parallel an zwei Tagen Fachvorträge zu den vier Schwerpunktthemen (siehe unter 3.) und ein umfassendes Matchmaking mit etwa 600 vermittelten Gesprächen. Die Organisation wurde sehr professionell durchgeführt und erlaubte allen Teilnehmern im Vorfeld, aber auch noch im Verlauf der Veranstaltung, sehr individuell und zeitlich völlig flexibel, online Termine zu vereinbaren.

2. Die Förderung des Mittelstandes durch die EU

Die Geschäftschancen in Südostasien werden von den deutschen - und auch den anderen europäischen - Unternehmen bei weitem nicht genutzt. Als konkretes Beispiel dient die BIMP-EAGA Region. Hierzu fand der Kongress in Miri statt. Das beste daran: Die Europäische Kommission erstattet den europäischen Teilnehmern 50 % der Reisekosten, maximal 600 €. Leser, die Interesse haben, zu einer der Folgeveranstaltungen eingeladen zu werden, wenden Sie sich bitte an Martin Wolf bei der DAPG in Köln.

3. Die Chancen für europäische Unternehmen

BIMP-EAGA wurde bereits 1994 als eine Kooperation der vier wachstumsstärksten Länder in Südostasien gegründet. Jedoch geht es bei diesem Zusammenschluss um die Förderung der strukturschwächeren Gebiete. Allein zwischen 2005 und 2007 stieg der Außenhandel von 42 auf 58 Milliarden USD. Die Tourismuszahlen erhöhten sich von 14 auf 18 Millionen Besucher und die Investitionen stiegen von knapp 4 auf 25 Milliarden USD. Man steht jedoch immer noch am Anfang. [Quelle: Dr. Peter Richter, GTZ]

Für die Europäer interessant sind das Potential und die Chancen, die sich hieraus gerade für „Kleine Mittelständische Unternehmen“ (KMU) ergeben. Das Sultanat Brunei verfügt über erhebliche Finanzmittel, Malaysia und Indonesien stehen für gewaltige Rohstoffreserven und die Philippinen für eine erhebliche Anzahl an englischsprachigen Arbeitskräften. Vier Cluster sind zunächst im Fokus der Bemühungen:

a) Transport und Infrastruktur

b) Nachwachsende Rohstoffe

c) Tourismus und

d) Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMU)

Zum Gebiet gehören zwei der weltgrößten Regenwaldgebiete: auf Borneo und Papua. Da bietet sich der Ausbau von Ökotourismus an. Im Bereich Ernährung ist die Herstellung von Halal-Nahrung ein zentrales Thema. Diese Branche meldet ständig steigende Umsatzzahlen und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Seealgen, Fisch- und Meerestierezucht und deren Verarbeitung sind weitere Highlights. Unternehmen aus Frankreich bieten beispielsweise die erforderlichen Maschinen zur Zerlegung der Fische an. Nicht nur in dieser Region, sondern in ganz Asien, gibt es gewaltige Hühnerfarmen. Dort ist nicht nur Technologie bei der Verarbeitung gefragt, sondern auch zur Tierhaltung wie beispielsweise Be- und Entlüftung, Klimatisierung, Luftreinigung, Abfallbehandlung, Tierkadaverbeseitigung und mehr.

Eine der größten Industrien ist jedoch nach wie vor die Palmölindustrie; angefangen mit der Anpflanzung bis hin zur industriellen Verarbeitung, bei der hochentwickelte Technik zum Einsatz kommt. Technik, die aus Europa geliefert werden kann. Nicht nur in Europa, sondern auch in Süd-ostasien denkt man über Treibhausgase und Energieerzeugung nach. Erneuerbare Energien, Solarenergie und Umweltschutz wie Wasserreinhaltung, industrielles Müll- und Giftmüllmanagement, Mülldeponien, Verbrennungsanlagen aber auch Kompostierung sind Themen, in denen sich europäische Unternehmen gut auskennen. Nachhaltige Holzwirtschaft und deren Überwachung sind ebenfalls wichtige Themen, bei denen die Asiaten gerne mit leistungsstarken Partnern aus Europa kooperieren möchten. Unternehmen aus Finnland sind da besonders aktiv, wie deren Teilnahme in Miri gezeigt hat.

Neben all den fachlichen Gesprächen kam natürlich auch der kulturelle Teil nicht zu kurz, der für eine Vertiefung der Kontakte sehr wichtig ist. Allen europäischen und natürlich den deutschen Unternehmen bietet sich in der BIMP-EAGA Region eine einzigartige Möglichkeit für langfristige Geschäfte. Man sollte nur nicht erwarten, dass mit einem einzigen Besuch sofort Verträge geschlossen werden. Zum Schluss zählt der persönliche Kontakt, den man selbst pflegt oder ihn durch Partner stellvertretend pflegen lässt. Mit Geduld und einer Strategie, wie man sich dem Zielmarkt nähert und sich in diesem oft völlig fremden Markt bewegt, hat man sehr gute Chancen, erfolgreich in Südostasien zu sein.


http://www.bimp-eaga.org/maps.php

4. Details zur Region

Zur BIMP-EAGA Region gehören die Insel Borneo, bestehend aus den nördlich gelegenen malaysischen Provinzen Sabah und Sarawak, Brunei und der südlich gelegenen indonesischen Provinz Kalimantan. Zur Förderregion gehören ferner die malaysische Insel Labuan, die östlichen Inselgruppen Indonesiens bestehend aus Sulawesi, den Molukken bis Papua, dem zu Indonesien gehörigen westlichen Teil der Insel Neuguinea. Die Philippinen sind vertreten mit der Inselgruppe Mindanao und der Provinz Palawan. Zusammen ergibt das 1,6 Millionen qkm Landfläche mit etwa 57 Millionen Bewohnern.

Miri als Veranstaltungsort für die BIMP-EAGA Konferenz liegt in Nord-Sarawak, etwa knapp zwei Autostunden östlich von Brunei gelegen. Miri ist mit etwa 300.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Sarawak und die zehntgrößte in Malaysia. Bereits 1910 holte hier die Firma Shell das erste Öl aus dem Boden. 1914 folgte die erste Raffinerie. Knapp 100 Jahre später plant das nahe gelegene Brunei mit all seinem Rohöl und dem daraus abgeleitetem Reichtum gerade die erste Raffinerie, um die Weiterverarbeitung und damit die Wertschöpfung im Land zu halten. Mit Vertretern der Regierung konnten erste Gespräch in Miri geführt werden.

 

 


(*) erschienen bei DAPG, Blickpunkt Asia Pacific, Newsletter 12/2009

(**) DAPG-Mitglied Dr.-Ing. Andreas Klippe berät zu Vertriebsfragen in Südostasien. Er unterhält Büros in Usingen, Lyon und Manila.

E-Mail: a.klippe@dr-klippe.com