Den Energiebedarf in den 10 ASEAN-Ländern decken

Andreas Klippe*, Associated Business Partner of ECCP, Manila15.05.2010

Am 22. April 2010 fand im Rahmen der Exportinitiative Erneuerbare Energien des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) eine Informationsveranstaltung des Ostasiatischen Vereins, OAV, unter Leitung von Frau Dr. Stärk mit dem Zielgebiet „Philippinen“ statt. Dabei stehen Wind-, Solar-, Wasser- und Biomasse-Energie im Fokus der Betrachtungen.

Die Philippinen sind ein Inselstaat mit 7.107 Inseln, davon 880 bewohnt. Das Land lässt sich grob unterteilen in den nördlichen Teil Luzon mit der Hauptstadtregion Metro Manila, den mittleren Visayas mit dem zweitgrößten Ballungsgebiet Cebu City sowie dem südlichen Teil Mindanao.

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Engpässe bei der Energieversorgung gibt es bereits heute auf den Visayas und in Mindanao. Im Großraum Manila werden diese Engpässe 2011 und 2012 drastisch ansteigen. Eigentlich zu spät, um wirkungsvoll entgegen zu steuern. Jedoch besteht die Absicht seitens der alten Regierung von Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo, entschieden gegen die Unterversorgung vorzugehen. Eine Investition in erneuerbare Energien wird unterstützt. Es steht zu erwarten, dass mit der gerade gewählten neuen Regierung unter dem wohl neuen Präsidenten Benigno „Noynoy“ Aquino III dieser Trend noch verstärkt wird.

Entscheidend wird sein, wie weit das geltende Landrecht und die im Juni in Kraft tretende Einspeisevergütungsordnung Investitionen fördern oder eher behindern. So sind bereits jetzt wesentliche Landstriche durch Investoren „besetzt“, ohne aber wie nach deutschem Landrecht innerhalb von drei Jahren, mit der Umsetzung der Vorhaben zu beginnen. Für deutsche Unternehmen heißt es daher, sich zu beeilen und mit Vorbereitungen zu beginnen. Es könnte sonst sehr schwierig werden, eigene Solar- oder Windparks zu errichten.

Der Unterstaatssekretär vom Renewable Energy Management Bureau des Departments of Energy, Director Mario C. Marasigan, stellte die Incentives der Regierung vor. Damit sind die erneuerbaren Energien sehr wettbewerbsfähig zu den „alten“ Energien. Insbesondere lockt man mit Laufzeiten, die weit jenseits der 50 Jahre liegen. Die staatliche PNOC beispielsweise bearbeitet  gerade 8 große Projekte für Wasserkraftwerke. Jedoch benötigen die Philippinen aufgrund der Insellage viele dezentrale Kraftwerke zur Energieversorgung. Dafür müssen alle verfügbaren Formen der Erneuerbaren Energien genutzt werden.

Dipl.-Ing. Herbert Schambeck, Vorstandsvorsitzender der e.terras AG. München, informierte über die Möglichkeiten der Geothermie.

"Die Philippinen sind das weltweit interessanteste Land mit der höchsten Energie-Geothermiedichte aufgrund des vulkanischen Ursprungs."

Jedoch sind die Aktivitäten von e.terras bisher in erster Linie auf Bali in Indonesien beschränkt. Wie auch bei uns in Europa steckt die Geothermie noch in den Anfängen. Schwer verständlich, dass seitens der europäischen Regierungen keine vehementen zusätzlichen Anstrengungen zur Stärkung dieser Technologie vorgenommen werden.

Im Vergleich zu einem Gaskraftwerk, das etwa 1 Mio. €/MW kostet, sind für ein Geothermiekraftwerk 5 Mio. €/MW zu kalkulieren; jedoch einzig und allein aufgrund der hohen Kapitalkosten. Hier liegt ein Grundproblem. In der asiatischen Denkweise ist Langfristplanung oft nur bis zu 2 Jahren vorhanden, eventuell 5 Jahre. Aber die Bauzeiten sind länger und oft länger als die Legislaturperiode. Das Netzwerkteam sollte daher etabliert sein und zu den Regierungsgewinnern gehören. Herr Schambeck, der mit der e.terras AG bereits lange in Asien vertreten ist, mahnt daher:

„Wenn Sie keinen festen Partner für lokale, ethnische und Glaubensfragen, für Recht und Familienangelegenheiten haben, dann muss Ihr Vorhaben schief gehen!!!“

Aber als Motivation erwähnt Schambeck auch,

 „dass die Erneuerbaren Energien völlig ausreichen, um den Energiebedarf in den 10 Ländern des ASEAN-Staatenbundes für 600 Millionen Einwohner komplett abzudecken.“

Förderungen für private Unternehmen sind seitens der DEG Bank oder IPEX Bank aus der KfW-Bankengruppe möglich. Nähere Auskünfte gaben Andras Ziesmann und Paul Heinemann von der DEG sowie Andreas Thermann von der KfW-Entwicklungsbank. Und Schumacher schloss die Veranstaltung mit aufmunternden Worten an die deutschen Unternehmen:

„The government will get out of this business. The Philippines want to privatize the energy sector.
That’s the good news.”

 

© DR. KLIPPE Consult 2010

 


(*) Dr. Andreas Klippe ist Associated Business Partner der Europäischen Handelskammer auf den Philippinen.

E-Mail: a.klippe@dr-klippe.com

Bild oben: Dr. Andreas Klippe, Mario C. Marasigan, Dr. Monika Stärk, Henry J. Schumacher